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Cuir Bouilli

Dezember 2008

Gekochtes Leder wird oft Cuir Bouilli genannt.

Man kocht Leder, um es zu härten, so lassen sich z.B. recht einfach und kostengünstig stabile Rüstungsteile herstellen. Die Diskussion, ob es Rüstungsteile aus gehärtetem Leder gab oder nicht, kann und will ich hier, mangels Fachwissen, nicht führen. Da es aber ein dermaßen einfaches und effektives Verfahren ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Leute dieses Vorteil damals nicht genutzt haben. Zumal sie nicht nur zum Spaß gekämpft haben, wie wir heute… In der SCA ist Cuir Bouilli ein übliches Verfahren, daher gibt es auch eine Reihe Informationen dazu im Netz. Um diese für deutsche Leser verständlich zu machen, hier eine Übersetzung der Maßeinheiten:

Ich will das Rad hier nicht neu erfinden, alles Wesentliche zu dem Thema steht bereits hier:

Cuir Bouilli/Hardened Leather FAQ von Marc Carlson

Versuch

Ich habe eine Messreihe durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen Kochzeit, Schrumpfung und Endfestigkeit darzustellen. Ausgangspunkt war 4mm dickes, pflanzlich gegerbtes Rindsleder. Daraus habe ich vier Streifen je 25mm * 100mm geschnitten und unterschiedlich lange im Wasser gelassen. Es waren rund zwei Liter Wasser in einem Topf mit dickem Eisenboden. Das Wasser wurde zum Sprudeln gebracht, dann wurde die Wärmezufuhr unterbrochen. Um die Wassertemperatur möglichst homogen zu bekommen (warmer Boden vs. kühlere Wasseroberfläche) habe ich etwas umgerührt und alle vier trockenen Stücke ins Wasser getan, als keine Blasenbildung mehr sichtbar war. Gemessen wurde nun ziemlich genau 100 Grad Celsius.

Nach Ablauf der jeweiligen Zeit wurde das entsprechende Stück heraus genommen und auf einem Handtuch glatt gedrückt. Die Streifen haben sich im Bad stark gebogen, daher mussten sie alle wieder in Form gedrückt werden. Über Nacht konnten sie trocknen und wurden dann vermessen. Die Messung des Wassers nach ca. 2,5 Minuten ergab 85 Grad Celsius.

Ergebniss

Im linken Bild sind die ursprünglichen Streifen zu sehen. Allerdings nur drei, die Notwendigkeit eines vierten kam erst etwas später. Das rechte Bild zeigt die Streifen direkt nach dem Erhitzen, sie sind noch feucht und daher dunkler.

cb-b1.jpg cb-b2.jpg
Bild 1 Bild 2

Schrumpfung

Die Stücke sind nicht präzise geschnitten und nach dem Trocknen etwas krumm. Dies führt zu Messungenauigkeiten.

Zeit [min] Länge [mm] Breite [mm]
0,5 97 25
1,0 94 25
1,5 93 25
2,0 92 24

Diskussion

Dass Leder beim Kochen schrumpt, ist bekannt. Die Messungen ergeben ein Verhältniss von 5% / Minute, wobei die Abkühlung des Wassers zu beachten ist. In nebenstehendem Diagramm wurde die rechnerische 5%-Linie zum Vergleich eingezeichnet. Die Breitenwerte spiegeln das nicht ganz wieder, hier würde ich aber Messungenauigkeiten als Ursache anführen.

Verfestigung

Um die Verfestigung des Leders zumindest gegenüberstellen zu können, kam en improvisierter Biegetest zum Einsatz: Die Streifen wurden an den Enden fest aufgelegt und in der Mitte mit genau 5kg Gewicht belastet. Das Gewicht war simpel eine Hantel, die Durchbiegung wurde gemessen.

Zeit [min] Biegung [mm]
0,5 10
1,0 8
1,5 3
2,0 3

Diskussion

Es ist ganz deutlich zu sehen, wie die Festigkeit bis zum 1,5-Minuten-Stück zunimmt. Ab da wird das Leder nicht mehr fester, der Prozess der Kristallisierung scheint abgeschlossen zu sein.

Verfärbung

Bereits in den Bildern 1 und 2 ist deutlich eine verdunkelung des Leders zu sehen. Allerdings sind die Streifen durch das nächtliche Trocknen wieder aufgehellt, habe ich die Stücke noch einmal auf das ursprüngliche Material gelegt.

cb-b3.jpg Bild 3